Riesenschlangen

Laien verstehen unter dem Begriff "Riesenschlangen" grosse und zumeist massige Schlangen. Vom zoologischen Standpunkt aus ist diese Begriffsdefinition jedoch nicht haltbar, da viele grosse und oft auch schwere Schlangen nicht zu den Riesenschlangen gezählt werden. Vielmehr werden unter den Riesenschlangen alle Arten der Familien der Boas (Boidae) mit den drei Unterfamilien Boas (Boinae), Sandboas (Erycinae) und Pythons (Pythoninae) zusammengefasst. Manche Herpetologen stellen auch noch einige weitere, urtümliche, als Zwergboas (Tropidophidae & Ungaliophidae) bzw. Spitzkopfpythons (Loxocemidae) bezeichnete Schlangenfamilien mit ausschliesslich kleinen Arten – fast alle werden nicht einmal 1 m gross – sowie die Mauritius Boas (Bolyeriidae & Casareaiidae) zu den Riesenschlangen.
Die meisten der etwas mehr als 60 Riesenschlangenarten aus den Familie Boidae bleiben klein. Viele Arten werden mit 1-1.5 m nicht grösser als die Mehrzahl der restlichen Schlangen und eine ganze Reihe von Riesenschlangen kann man mit einer Gesamtlänge von 50–100 cm Länge sogar zu den kleinen Schlangen zählen. Mit einer Gesamtlänge von 5 oder mehr Metern werden nur gerade 6 Arten wirklich gross. Es sind dies:

  • Grosse Anakonda (Eunectes murinus)
  • Amethystpython (Morelia amethistina)
  • Tigerpython (Python molurus)
  • Papuapython (Python papuanus)
  • Netzpython (Python reticulatus)
  • Felsenpython (Python sebae)

Wie gross die erst vor kurzem neu beschriebenen und anscheinend mit Morelia amethistina nahe verwandten Pythons Morelia clastolepis, M. kinghorni, M. macburniei, M. mippughae, M. nauta und M. tracyae aus Australien und Indonesien werden, ist bisher nicht genau bekannt. Ev. muss auch die eine oder andere dieser Arten zu den sehr grossen Riesenschlangen gezählt werden. Angaben zur Körperlänge der terraristisch wichtisten Riesenschlangen finden sich in der Information 800.112.02 "Körperlängen von Schlangen".

 

Riesenschlangen-Haltung
Die meisten Riesenschlangenarten sind einfach zu pflegen. Sie werden dementsprechend häufig gehalten und auch regelmässig nachgezogen, sodass heute in vielen Fällen gesunde Nachzuchten leicht erhältlich sind. Schwierigkeiten in der langjährigen Haltung und regelmässigen Zucht bestehen bei manchen Futterspezialisten oder Schlangen aus besonderen Klimazonen wie z.B. bei einigen Hochlandarten. Bei einzelnen Riesenschlangen verhinderten bisher restriktive Artenschutzgesetze (z.B. bei Arten aus Australien) oder die grosse Seltenheit der Tiere bzw. die Unzugänglichkeit der Biotope, dass ausreichend Individuen in die Hände von erfahrenen Riesenschlangenhaltern gelangten, um Haltungserfahrungen zu sammeln und Zuchtgruppen aufzubauen. Zur Haltung und Zucht vieler Arten gibt es heute umfassende und detaillierte Publikationen, sodass sich auch Terrarianer ohne Erfahrungen mit der Riesenschlangenhaltung, problemlos das nötige Wissen aneignen können. Eine Mitgliedschaft in einem Terrarienverein (z.B. DGHT-Regionalgruppen) bietet die Möglichkeit, anderen Schlangenhalter kennenzulernen.
Für die kleinen Arten mit Gesamtlängen von weniger als 2 m (z.B. Königspython, Sandboas) genügen handelsübliche oder auch von handwerklich geschickten Personen selbst gebaute Terrarien mit der heute in Fachgeschäften problemlos erhältlichen Technik (Beleuchtung, Heizung, Badegefässe, Versteck- und Klettermöglichkeiten).

Bei Arten mit 2-4 m Gesamtlänge (z.B. Abgottschlangen, Teppichpython, Kuba-Schlankboa) muss neben der Grösse vor allem auf die Stabilität der Terrarien geachtet werden. Insbesondere ausreichend dicke Terrarienscheiben (6-8 mm, allenfalls Sicherheitsglas) sind hierbei wichtig, um Glasbruch zu vermeiden.

Tiere mit mehr als 4 m Gesamtlänge (z.B. Netz- oder Felsenpython) kann man nicht mehr in normalen Terrarien pflegens, sondern man benötigt fest eingebaute Grossterrarien, z.B. in Form eines umgebauten Zimmers. Wichtig ist, dass man Kletteräste, Liegeflächen, Wasserbecken usw. gut verankert (verschrauben, einbetonieren oder ähnliches). Grosse Wasserbecken haben vorteilhafterweise einen Kanalisationsanschluss, um die Reinigung zu erleichtern.

Fast alle eingewöhnten Riesenschlangen fressen problemlos tote Mäuse, Ratten oder Küken. Grosse Arten füttert man mit Meerschweinchen, Kaninchen, Hühnern, Ferkeln, Lämmern oder anderen geeigneten Futtertieren.
Entgegen der landläufigen Meinung, dass man Schlangen in möglichst grossen Terrarien pflegen sollte, sind viele Arten in kleineren Becken oftmals besser zu halten. Eine 2 m lange Riesenschlange benötigt nicht zwingend auch ein mindestens 2 m langes Terrarium. Vielfach fressen die Tiere in kleineren Terrarien besser als in sehr grossen. Gerade wenn man Gruppen mit 4, 5 oder noch mehr Tieren einer Art besitzt, so wird man die Erfahrung machen, dass es besser ist, jeweils nur 1 - 2 Tiere in mehreren, eher kleinen Becken zu halten, als eine grosse Gruppe in einem einzigen grossen Terrarium. Auf diese Weise können auch Beissereien bei der Fütterung vermieden werden. Bei der Haltung mehrerer Tiere in einem Terrarium wird man in der Regel ohnehin nicht darum herum kommen, jedes Exemplar in einer separaten Box zu füttern. Vorsicht ist auch geboten, wenn man mehrere Tiere gleichen Geschlechts zusammenhält, da es inbesondere während der Paarungszeit zu Unverträglichkeiten kommen kann.

Riesenschlangen-Caresheet (pdf, 2.2 MB)

 

Haltebewilligung und Sachkundenachweis (SKN)
Bei grossen und potentiell gefährlichen Riesenschlangen liegt die Haltung nicht bloss in der Eigenverantwortung des Tierhalters. In der Schweiz ist seit 1980 für die Haltung grosser Riesenschlangenarten die mehr als 3 m Gesamtlänge erreichen können – mit Ausnahme der Abgottschlange (Boa constrictor) – eine Haltegenehmigung erforderlich.

Folgende Riesenschlangenarten sind haltebewilligungspflichtig (TSchV Anhang 2):

  • Apodora (Liasis) papuana
  • Broghammerus (Python) reticulatus
  • Epicrates angulifer
  • Eunectes spp. (alle Arten)
  • Liasis olivaceus
  • Liasis papuanus
  • Morelia amethistina
  • Morelia boeleni
  • Python molurus
  • Python natalensis
  • Python sebae

Gemäss Information 800.112.02 "Körperlängen von Schlangen" des BVet (seit 2014 umbenannt in BLV) ist die kleinbleibende Unterart des Netzpythons Broghammerus (Python) reticulatus saputrai (Synonym: Broghammerus (Python) reticulatus jampeanus) nicht haltebewilligungspflichtig.

Eine Haltegenehmigung wird durch das zuständige kantonale Veterinäramt nur erteilt, wenn ein geeignetes Terrarium vorhanden ist, das den Mindestanforderungen der Tierschutzverordnung (TSchV), Anhang 2 entspricht. Ausserdem wird seit 2008 ein vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) anerkannter Sachkundenachweis (SKN) benötigt. D.h. ein Riesenschlangen muss einen speziellen Sachkundekurs besuchen der mindestens 5 Stunden dauert. Der Sachkundenachweis ist dem Antrag auf eine Haltebewilligung beizulegen. Spezielle SKN-Kurse für Riesenschlangen werden von der Organisation SARA angeboten. Je nach Kanton können bei der amtlichen Kontrolle durch das zuständige Veterinäramt die Sachkenntnisse über Riesenschlangen in einem persönlichen Fachgespräch nochmals überprüft werden.

Neben der Terrariengrösse gibt es in der TSchV auch Vorschriften über die Einrichtung des Terrariums. Die Terrariengrösse ist abhängig von der Länge der darin gepflegten Schlangen. Die Grundfläche für zwei Tiere muss mindestens 1 x 1/2 der Gesamtlänge der Schlange entsprechen. Für einen 4 m langen Python benötigt man ein Terrarium mit mindestens 1 x 4 m x 0.5 x 4 m = 6 Quadtratmeter Grundfläche. Ausserdem muss das Terrarium mindestens halb so hoch sein wie die Schlange lang. Beim oben erwähnten Beispiel mit dem 4 m langen Python muss das Terrarium folglich min. 2 m hoch sein.  Zusätzlich muss bei manchen Arten ein Bassin vorhanden sein. Ausserdem müssen Sicherheitsaspekte wie z.B. die Stabilität der Anlage beachtet werden oder ob Drittpersonen sich Zutritt zu den Tieren verschaffen können.